Ich lebe an einem für Ingress perfekten Ort. Im Umkreis von weniger als 2km befinden sich um die 100 Portale, das nächstgelegene davon keine 200m weit entfernt. An sich würde für mich also kein Grund bestehen, Portalvorschläge wie blöde einzureichen. Ich tue es aber dennoch. Ich vereinfachte in meinem Einführungspost über Ingress; die Orte für Portale werden nämlich nicht willkührlich von Google festgelegt, sondern sind von Google akzeptierte Portalkandidaten, die von Spielern oder Dritten eingereicht werden. Wie dort geschrieben, spiele ich selbst in der Regel nur zu Fuß. Andere Spieler fahren kreuz und quer per Auto durch die Stadt, was sicherlich bequemer ist, aber für mich aus zweiterei Gründen nicht besonders gut ist:
- Zunächst ist Ingress für mich eine Motivation, mich mehr zu bewegen und damit gesünder zu leben. Im Auto von A nach B fahren bringt hier vielleicht mehr und schnellere Erfahrungspunkte, aber die Bewegung fehlt vollständig.
- Desweiteren freue ich mich beim Spielen darüber, auf dem Weg zu einem Portal Dinge zu sehen, die man in der eigenen oder einer fremden Stadt so nicht auf Anhieb entdecken würde.
Es gibt mit den bestehenden Portalen eine Reihe von Problemen:
- Viele Portale wiederholen sich. Es gibt beispielsweise ca. 15 Portale, die “Michel” heißen oder auf den Michel bezugnehmen, kein einziges jedoch davon, dass explizit “Martin Luther Skulptur am Michel” heißt oder diese Figur abbildet.
- Die Orte, die Portale sind, sind sehr willkührlich gewählt: Einige Sehenswürdigkeiten, die von großer touristischer Bedeutung sind – beispielsweise die Davidwache in St. Pauli – sind kein Portal. Die dahinter gelegenen Neubauten des Bavaria-Quartiers jedoch schon.
- Portale sind bescheiden benannt. Das Portal, dass die Krameramtsstuben zeigt, heißt beispielsweise “Hamburgo”.

- Noch schlimmer finde ich jedoch offensichtliche Datei- oder Sortierungsnamen wie “Hamburg 01. Jan 2011: Statue”

- Die Geolokation von Portalen stimmt hinten und vorne nicht. So gibt es beispielsweise dieses Portal, dass den Michel von einer ganz anderen als der angegebenen Perspektive zeigt und sich 300-400m vom eigentlichen Ort entfernt befindet:

Um das zu ändern und zu verbessern bleibt als meiner Meinung nach bestgeeignete Möglichkeit, eigene Portale einzureichen.
Im Dialog mit anderen Spielern habe ich festgestellt, dass ich mit mehr als 100 eingereichten Portalvorschlägen eher die Ausnahme bin.
Ich selbst finde das sehr schade, da für mich ein Teil des Spiels ist, die Stadt mit offenen Augen zu sehen und Sachen zu entdecken, an denen ich bis dato immer vorbeigelaufen bin, ohne sie zu bemerken.
So gibt es bei mir in direkter Nähe zwei Gedenktafeln für die Geschwister Mendelssohn, die ich vorher noch nie bemerkt hatte.
Generell ist das Einreichen von Portalen auch für Nicht-Ingress-Spieler möglich, jedoch deutlich schwieriger, da keine Informationen über bereits vorhandene Portale vorliegen.
Um das Suchen und Finden von Portalen ein bisschen einfacher zu machen, habe ich beschlossen, ein Tutorial zu schreiben, in dem ich dazu ein paar Anregungen gebe. Wie bei Ingress generell auch gilt hier ebenfalls, dass man mit der Zeit besser wird.
Genau wie ich meinen ersten Link auch noch kreuz und quer durch die Stadt habe zeigen lassen, beim Setzen der Resonatoren ungenau war und viele andere Anfängerfehler gemacht habe, waren auch meine ersten Portalvorschläge und -fotos nicht besonders gut. Nach den ersten 20 Vorschlägen wächst sich sowas aber aus und probieren geht auch hier über studieren.
Motive
Laut Google Help sind geeignete Motive:
- Statues – Statuen; ich zähle dazu auch andere Gedenkstätten und Skulpturen
- Unique architecture – außergewöhnliche Architektur)
- Outdoor murals – Wandbilder draußen – hierzu können auch Grafitti zählen, wenn gut gemacht
- Historic buildings – Gebäude mit historischem Bezug.
- Special outdoor buildings – besondere Gebäude draußen – zum Beispiel das Riesenrad aufm Hamburger Dom. Wahrscheinlich fallen auch Kirchen unter diese Kategorie.
- Unique local businesses – besondere Geschäfte. Unter diese Kategorie zähle ich bspw. Google Deutschland. Ansonsten sind jedoch Geschäfte ohne spannende Architektur eher selten
Für mich macht ein gutes Portal ein Ort aus, den ich gern besuchen würde, wenn ich Tourist in einer Stadt wäre. Ein besonders hübsches Gebäude (wie einige Gebäude in der Hafencity), touristische Sehenswürdigkeiten wie das Chilehaus, aber auch Orte die ich so nie entdeckt hätte (wie Onkel Otto unten bei den Häusern an der Hafenstraße). Auch finde ich es spannend, Orte zu finden, die selbst Bewohnern des Viertels nie so genau auffallen: unten bei Gruner+Jahr steht beispielsweise eine Statue aus den Osterinseln namens “Angelito”. Angelito ist mir auch erst vor Kurzem bewußt aufgefallen, und das, obwohl er nur 500m von mir zu Hause entfernt steht. Natürlich habe ich Angelito aber schon eingereicht :)
Fotostreifzug
Es gibt zwei generelle Ideen, wie man Portalvorschläge findet. Der eine Weg ist der spontane Fotostreifzug-Weg. Dabei läuft man durch die Stadt und schaut, was einem so ins Auge fällt und was ein gutes Portal ausmachen könnte. Darin wird man mit der Zeit deutlich besser. Man kann dann entweder direkt vor Ort schauen, ob es ein entsprechendes Portal schon gibt, oder man fotografiert zunächst und schaut dann nachher zu Hause via Ingress Intel Map
Recherche
Der nächste Weg, um ein potentielles Portal zu finden, ist die Recheche. Man kann diese Art der Portalerstellung auch wunderbar mit einem geplanten Ingress Streifzug verbinden. Dazu sucht man sich vorher geeignete Portalkandidaten heraus, prüft, dass diese noch keine existierenden Portale sind, und läuft sie wie bestehende Portale ab und fotografiert. Dazu gibt es eine Reihe von Informationsquellen:
- Google Maps
Auf Google Maps sind eine ganze Reihe von POIs (Points of Interest) schon verzeichnet. Idealerweise ruft man dazu die Ingress Intel Map auf und installiert vorher Ingress Intel Total Conversion.
[Ergänzung: Achtung, die Installation von IITC widerspricht Googles Terms of Service (http://www.ingress.com/terms).
Danach ruft man dann als Overlay “Google Roads” auf und sucht POIs, die noch keine Portale sind. Auf dem Screenshot unten erkennt man beispielsweise, dass diverse Museen und die Davidwache noch nicht als Portal eingereicht wurden:
Man kann die hier beschriebenen Schritte auch ohne IITC und manuell auf maps.google.com und OpenStreetMap.org durchführen; man muss anschließend nur die Portale manuell auf der Ingress Intel Map auf Vorhandensein prüfen. BItte geht analog vor. Danke Christoph für den Hinweis!]
- OpenStreetMap
OpenStreetMap beinhaltet eine ganze Reihe weiterer Informationen, die über die POI Â Daten bei Google Maps hinausgehen. Insbesondere im Hinblick auf Gedenktafeln und Statuen bietet OpenStreetMap mehr Information. Das Vorgehen ist hier das Gleiche: Nach der Installation von IITC wählt man als Kartentyp “OSM Mapnik” aus. Auf dem u.a. Screenshot ist deutlich zu erkennen, dass einige Stolpersteine, die Madonna der Meere und die Sankt Pauli Kirche noch keine Portale sind. Am Beispiel der Madonna der Meere (auf OSM Madonna der Seefahrt genannt) zeigt der Screenshot dann noch, wie man nahegelegene Portale auf Inhalt prüft, um Doppelte zu vermeiden. Und um Euch einen kleinen Anreiz zu geben: ich habe die beiden Stolpersteine noch nicht als Portal eingereicht.

- Datenbanken und Wikipedia
Bei näherer Betrachtung ergeben sich oftmals gute Ansätze für Portale aus dem Studium von Wikipedia und städischen sowie anderen Datenbanken. Ich habe einen Versuch gestartet, ob Stolpersteine bei Google als Portal akzeptiert werden (sie sind immerhin sowohl Denkmal als auch von historischer Bedeutung). Neben einer Datenbank aller Hamburger Stolpersteine gibt es auch entsprechende Infos bei OpenStreetMap: http://wiki.openstreetmap.org/wiki/StolpersteineEbenfalls gute Informationen finden sich in der Wikipedia, bzw. WIkicommons. Als Beispiel interessante Orte in Hamburg-St. Pauli. Teilweise kann man auch auf andere Datenbanken über denkmalgeschützte Gebäude, Fotos oder andere Informationsquellen zurückgreifen, um sich Inspirationen dazu zu suchen, was ein gutes Portal sein könnte.
Das Foto
Zunächst, auch wenn es hoffentlich eine Selbstverständlichkeit ist: Fotos einzureichen, die Ihr nicht selbst erstellt habt, ist ein No-Go! Ihr besitzt nur bei selbst erstellten Fotos die entsprechenden Urheberrechte, um das Foto zur Verwertung in Ingress freizugeben.
Entsprechendes tut Ihr auch mit der Einreichung, aktuell werden jedoch die eingereichten Fotos nicht mit einem Hinweis auf den Urheber in der Anwendung platziert. Ruhm und Ehre gibt es also aktuell nicht.
Achtet beim Erstellen des Fotos darauf, dass Eure Kamera Geotags speichert oder bereitet Euch auf ein bisschen mehr Nacharbeit vor, wenn Ihr diese Geotags manuell setzen müsst. Die Fotoqualität einer durchschnittlichen Smartphone-Kamera reicht locker aus, um einreichbare Fotos zu machen: Ihr müsst also nicht Eure teure digitale Spiegelreflex samt Stativ mitschleppen (auch wenn sie zweifelsohne die schöneren Fotos machen wird).
Ihr könnt natürlich auch bereits erstellte Fotos nutzen; prüft hier jedoch auch nochmal genau die Geotags.
Das Foto, dass man als Portal macht und einreicht, muss nicht besonders gut sein. Es muss lediglich überzeugend sein. Ein Ort kann tagsüber ein besseres Foto als am Abend abgeben, es kann aber auch genau umgekehrt sein. Wenn Ihr also ein gutes Portal seht, aber es nicht “bäm” bei Euch macht, dann kommt vielleicht zu einer anderen Tageszeit zurück.
Überzeugend ist bei Google besonders bei Architekturfotos oder anderen ästhetischen Entscheidungen wichtig. Wenn Ihr harte Fakten habt, müssen die Fotos nicht ganz so gut sein. Als Beispiel hier mein Portalvorschlag für die Tanzenden Türme

sowie das Foto, dass als Portal akzeptiert wurde

Hingegen war die Bildqualität beim Portal Millerntorwache nicht relevant

Hier zeigt das Foto nicht einmal die Millerntorwache an sich, sondern lediglich die Gedenkplakette. Das Portal wurde dennoch in Rekordzeit akzeptiert.
Dies deckt sich mit einer Aussage eines Google Mitarbeiters, der im Rahmen einer Diskussion über akzeptierte und abgelehnte Fotos aus Parks darauf hinwies, dass Schilder oder andere harte Fakten im Foto die Akzeptanz als Portal deutlich steigern würden. Das Foto eines Parkeingangs ist also dann ein guter Kandidat, wenn es den Parknamen zusätzlich zeigt.
Ein Beispiel ist hier ein Monument aus Altona, dass ich als Portalvorschlag eingereicht habe. Leider weiß ich noch nicht, ob es akzeptiert wurde:

Die Gedenktafel unten sollte aber helfen.
Ich mache in der Regel auch bei Objekten, bei denen es nicht notwendig ist (Statuen, Wandbilder) sofern möglich zwei Fotos – eins vom Objekt, eins von einem Schild; dieses zweite Foto reiche ich dann in der Regel nicht ein, aber dadurch kann ich mir den Namen der Skulptur, den Künster oder weitere hilfreiche Zusatzinformationen merken.
Meine Freundin hatte angeregt, Fotokollagen als Portale einzureichen, die sowohl das Schild in Nahaufnahme als auch das Objekt an sich zeigen. Ob das eine gute Idee ist, kann ich auf Basis von fehlenden Experimenten mit entsprechend eingereichten Fotos jedoch noch nicht sagen. Wer sich hier berufen fühlt, das auszuprobieren und die Ergebnisse schicken mag, feel free!
Teilweise ist es auch notwendig, sich für ein gutes Foto ein wenig vom Objekt zu entfernen: Häuser fotografiert man am Besten von der anderen Straßenseite, Kirchen und Museen aus einigem Abstand heraus. Das ist okay, macht Euch jedoch auf ein bisschen Geo-Nacharbeit gefasst.
Nacharbeit / Nachrecherche
Nachdem nun das Portalfoto erstellt wurde, geht es an die Nacharbeit, um Schrottportale wie oben beschrieben zu vermeiden.
- Sucht einen passenden Namen für das Portal aus. Namen wie “Hamburg 12″, “Foto 30.02.2013″ oder “Ding im Park” sind nicht so sexy. Google Maps, OpenStreetMaps und Wikipedia helfen hier, den richtigen Namen zu finden. Oftmals sind auch entsprechende Hinweistafeln auf den Objekten selbst angebracht. Ihr habt ja hoffentlich auf mich gehört und ein Foto davon gemacht, oder?
- Prüft die Geokoordinaten des Fotos. Das geht wunderbar im Webalbum von Google Plus, Picasaweb, auf dem Telefon an sich oder über eine spezielle Anwendung.Ich mache das (falls ich den inneren Schweinehund überwinden kann) per Google Plus Fotoalben. Ich habe dazu ein extra Album angelegt, in dass ich all meine Bilder hochlade. In der Bildeinzelansicht kann man dann “Photo Details” aufklappen. Hier sieht man bereits eine Mini-Kartenvoransicht.
Beim Klick auf diese Ansicht öffnet sich dann ein Google Maps Fenster, in dem man die Lage des Portals noch einmal genauer verproben kann.

Geht davon aus, dass Ihr gerade bei Fotos von der gegenüberliegenden Straßenseite nachher nochmal an die Tags ran müsst.Details und Werkzeuge dazu finden sich unten bei den Ingress Fans aufgelistet. Sie empfehlen für das sporadische Bearbeiten von Bildern GeoImgr, einen Onlineservice und für häufigere Veränderungen Geosetter. Ich selbst nutze recht gern Geotag. Hier ist die Installation  jedoch ein bisschen frickeliger, da man vorher ExifTools auf dem Rechner installieren und den Pfad in Geotag angeben muss.Zuletzt: notiert Euch die Geokoordinaten in der Google Maps Schreibweise. Ihr braucht sie später.
- Stellt sicher, dass Ihr keine doppelten Portale einreicht. Prüft zunächst auf der Ingress Map erneut, vielleicht habt Ihr beim spontanen Schnappschuss ja ein Portal ein paar Meter weiter übersehen. Außerdem pflegen einige lokale Ingress Gruppen – so die Resistance Hamburg bspw. – Dokumente, in denen eingereichte Portalvorschläge gesammelt werden, um doppelte Arbeit zu vermeiden. Hier solltet Ihr dann auch Eure eingereichten Portale bei Vorhandensein kurz dokumentieren.
Portal einreichen
Nachdem man nun ein gutes und passendes Bild gemacht hat, dass halbwegs hübsch ist, geprüft hat, wie das Portal heißen soll, dass es nicht bereits existiert und auch nicht in der Liste der Portalvorschläge gelistet ist, geht es an den technischen Prozess des Einreichens. Das ist bei den Ingress Fans sehr gut erklärt.
Der Vorteil bei Einreichung über das Android Telefon und die App ist, dass die Fotos automatisch auf das Vorhandensein von Geotags geprüft werden. Fotos ohne Geotag akzeptiert die Anwendung erst gar nicht.
Inzwischen reiche ich meine Fotos jedoch in der Regel per E-Mail an [email protected] ein. Hierbei ist folgende Syntax zu beachten:
Der Betreff besteht aus dem geplanten Portalnamen und optional in Klammern dahinter die Geokoordinaten. Diese Geokoordinaten zeigen dem Reviewer, dass man nicht irgendwelche Zufallskoordinaten schickt, sondern diese bereits selbst verprobt hat. Vgl. dazu auch https://groups.google.com/d/msg/ingress-discuss/F1YF7F1WDCk/FB8mmC6mEswJ
Beispiel:
Hans Hummel Bleichenhof (53,5516052, 9,9883586)
Dann hängt Ihr noch das Bild als Anhang an die E-Mail.
Ihr könnt laut Google auch Dinge in den Body der E-Mail schreiben, diese Möglichkeit habe ich jedoch noch nie genutzt. Es bietet sich jedoch an, hier Links zu Datenbanken, Wikipedia o.ä. zu senden oder eine kurze Beschreibung des Portals bzw. des Grunds, warum das ein gutes Portal sein könnte, zu übermitteln.
Geduld haben
Nachdem nun die Arbeit erledigt ist, benötigt Ihr ein bisschen Geduld. Aktuell dauert die Antwort darüber, ob ein Portal akzeptiert wird oder nicht zumindest bei mir deutlich länger als die von Google veröffentlichten 2-3 Wochen.
Irgendwann jedoch werdet Ihr eine Mail von [email protected] erhalten, in der hoffentlich die Worte “Success! Your Portal submission has been accepted and will be available for gameplay in the near future” und nicht “Thank you for your Portal submission; unfortunately, it does not meet the criteria required for approval.” zu finden sind.
Anschließend dauert es dann noch bis zum nächsten Portal Go-Live, bis die Portale zu finden sind. Aktuell geschieht dies gefühlt im Wochentakt, Google spricht von weiteren 2-3 Wochen.
Ich hoffe, diese kurze Anleitung konnte Euch ein bisschen helfen und Euch motivieren, auf Fotosafari zu gehen. Über Feedback, Ergänzungen und Erfahrungsberichte freue ich mich sehr.