Neue Portale für Ingress finden

Ich lebe an einem für Ingress perfekten Ort. Im Umkreis von weniger als 2km befinden sich um die 100 Portale, das nächstgelegene davon keine 200m weit entfernt. An sich würde für mich also kein Grund bestehen, Portalvorschläge wie blöde einzureichen. Ich tue es aber dennoch. Ich vereinfachte in meinem Einführungspost über Ingress; die Orte für Portale werden nämlich nicht willkührlich von Google festgelegt, sondern sind von Google akzeptierte Portalkandidaten, die von Spielern oder Dritten eingereicht werden. Wie dort geschrieben, spiele ich selbst in der Regel nur zu Fuß. Andere Spieler fahren kreuz und quer per Auto durch die Stadt, was sicherlich bequemer ist, aber für mich aus zweiterei Gründen nicht besonders gut ist:

  • Zunächst ist Ingress für mich eine Motivation, mich mehr zu bewegen und damit gesünder zu leben. Im Auto von A nach B fahren bringt hier vielleicht mehr und schnellere Erfahrungspunkte, aber die Bewegung fehlt vollständig.
  • Desweiteren freue ich mich beim Spielen darüber, auf dem Weg zu einem Portal Dinge zu sehen, die man in der eigenen oder einer fremden Stadt so nicht auf Anhieb entdecken würde.

Es gibt mit den bestehenden Portalen eine Reihe von Problemen:

  • Viele Portale wiederholen sich. Es gibt beispielsweise ca. 15 Portale, die “Michel” heißen oder auf den Michel bezugnehmen, kein einziges jedoch davon, dass explizit “Martin Luther Skulptur am Michel” heißt oder diese Figur abbildet.
  • Die Orte, die Portale sind, sind sehr willkührlich gewählt: Einige Sehenswürdigkeiten, die von großer touristischer Bedeutung sind – beispielsweise die Davidwache in St. Pauli – sind kein Portal. Die dahinter gelegenen Neubauten des Bavaria-Quartiers jedoch schon.
  • Portale sind bescheiden benannt. Das Portal, dass die Krameramtsstuben zeigt, heißt beispielsweise “Hamburgo”. krameramtsstuben_portal_schlecht_benannt
  • Noch schlimmer finde ich jedoch offensichtliche Datei- oder Sortierungsnamen wie “Hamburg 01. Jan 2011: Statue” stoertebecker_dateiname
  • Die Geolokation von Portalen stimmt hinten und vorne nicht. So gibt es beispielsweise dieses Portal, dass den Michel von einer ganz anderen als der angegebenen Perspektive zeigt und sich 300-400m vom eigentlichen Ort entfernt befindet: michel_300m_weg

Um das zu ändern und zu verbessern bleibt als meiner Meinung nach bestgeeignete Möglichkeit, eigene Portale einzureichen.

Im Dialog mit anderen Spielern habe ich festgestellt, dass ich mit mehr als 100 eingereichten Portalvorschlägen eher die Ausnahme bin.

Ich selbst finde das sehr schade, da für mich ein Teil des Spiels ist, die Stadt mit offenen Augen zu sehen und Sachen zu entdecken, an denen ich bis dato immer vorbeigelaufen bin, ohne sie zu bemerken.

So gibt es bei mir in direkter Nähe zwei Gedenktafeln für die Geschwister Mendelssohn, die ich vorher noch nie bemerkt hatte.

Generell ist das Einreichen von Portalen auch für Nicht-Ingress-Spieler möglich, jedoch deutlich schwieriger, da keine Informationen über bereits vorhandene Portale vorliegen.

Um das Suchen und Finden von Portalen ein bisschen einfacher zu machen, habe ich beschlossen, ein Tutorial zu schreiben, in dem ich dazu ein paar Anregungen gebe. Wie bei Ingress generell auch gilt hier ebenfalls, dass man mit der Zeit besser wird.

Genau wie ich meinen ersten Link auch noch kreuz und quer durch die Stadt habe zeigen lassen, beim Setzen der Resonatoren ungenau war und viele andere Anfängerfehler gemacht habe, waren auch meine ersten Portalvorschläge und -fotos nicht besonders gut. Nach den ersten 20 Vorschlägen wächst sich sowas aber aus und probieren geht auch hier über studieren.

Motive

Laut Google Help sind geeignete Motive:

  • Statues – Statuen; ich zähle dazu auch andere Gedenkstätten und Skulpturen
  • Unique architecture – außergewöhnliche Architektur)
  • Outdoor murals – Wandbilder draußen – hierzu können auch Grafitti zählen, wenn gut gemacht
  • Historic buildings – Gebäude mit historischem Bezug.
  • Special outdoor buildings – besondere Gebäude draußen – zum Beispiel das Riesenrad aufm Hamburger Dom. Wahrscheinlich fallen auch Kirchen unter diese Kategorie.
  • Unique local businesses – besondere Geschäfte. Unter diese Kategorie zähle ich bspw. Google Deutschland. Ansonsten sind jedoch Geschäfte ohne spannende Architektur eher selten

Für mich macht ein gutes Portal ein Ort aus, den ich gern besuchen würde, wenn ich Tourist in einer Stadt wäre. Ein besonders hübsches Gebäude (wie einige Gebäude in der Hafencity), touristische Sehenswürdigkeiten wie das Chilehaus, aber auch Orte die ich so nie entdeckt hätte (wie Onkel Otto unten bei den Häusern an der Hafenstraße). Auch finde ich es spannend, Orte zu finden, die selbst Bewohnern des Viertels nie so genau auffallen: unten bei Gruner+Jahr steht beispielsweise eine Statue aus den Osterinseln namens “Angelito”. Angelito ist mir auch erst vor Kurzem bewußt aufgefallen, und das, obwohl er nur 500m von mir zu Hause entfernt steht. Natürlich habe ich Angelito aber schon eingereicht :) 1359810826149 Fotostreifzug

Es gibt zwei generelle Ideen, wie man Portalvorschläge findet. Der eine Weg ist der spontane Fotostreifzug-Weg. Dabei läuft man durch die Stadt und schaut, was einem so ins Auge fällt und was ein gutes Portal ausmachen könnte. Darin wird man mit der Zeit deutlich besser. Man kann dann entweder direkt vor Ort schauen, ob es ein entsprechendes Portal schon gibt, oder man fotografiert zunächst und schaut dann nachher zu Hause via Ingress Intel Map

Recherche

Der nächste Weg, um ein potentielles Portal zu finden, ist die Recheche. Man kann diese Art der Portalerstellung auch wunderbar mit einem geplanten Ingress Streifzug verbinden. Dazu sucht man sich vorher geeignete Portalkandidaten heraus, prüft, dass diese noch keine existierenden Portale sind, und läuft sie wie bestehende Portale ab und fotografiert. Dazu gibt es eine Reihe von Informationsquellen:

  • Google Maps

    Auf Google Maps sind eine ganze Reihe von POIs (Points of Interest) schon verzeichnet. Idealerweise ruft man dazu die Ingress Intel Map auf und installiert vorher Ingress Intel Total Conversion.

    [Ergänzung: Achtung, die Installation von IITC widerspricht Googles Terms of Service (http://www.ingress.com/terms).
    Man kann die hier beschriebenen Schritte auch ohne IITC und manuell auf maps.google.com und OpenStreetMap.org durchführen; man muss anschließend nur die Portale manuell auf der Ingress Intel Map auf Vorhandensein prüfen. BItte geht analog vor. Danke Christoph für den Hinweis!]

    Danach ruft man dann als Overlay “Google Roads” auf und sucht POIs, die noch keine Portale sind. Auf dem Screenshot unten erkennt man beispielsweise, dass diverse Museen und die Davidwache noch nicht als Portal eingereicht wurden: Muesen_googlemaps_ingress

  • OpenStreetMap

    OpenStreetMap beinhaltet eine ganze Reihe weiterer Informationen, die über die POI  Daten bei Google Maps hinausgehen. Insbesondere im Hinblick auf Gedenktafeln und Statuen bietet OpenStreetMap mehr Information. Das Vorgehen ist hier das Gleiche: Nach der Installation von IITC wählt man als Kartentyp “OSM Mapnik” aus. Auf dem u.a. Screenshot ist deutlich zu erkennen, dass einige Stolpersteine, die Madonna der Meere und die Sankt Pauli Kirche noch keine Portale sind. Am Beispiel der Madonna der Meere (auf OSM Madonna der Seefahrt genannt) zeigt der Screenshot dann noch, wie man nahegelegene Portale auf Inhalt prüft, um Doppelte zu vermeiden. Und um Euch einen kleinen Anreiz zu geben: ich habe die beiden Stolpersteine noch nicht als Portal eingereicht. osm_ingress_map

  • Datenbanken und Wikipedia

    Bei näherer Betrachtung ergeben sich oftmals gute Ansätze für Portale aus dem Studium von Wikipedia und städischen sowie anderen Datenbanken. Ich habe einen Versuch gestartet, ob Stolpersteine bei Google als Portal akzeptiert werden (sie sind immerhin sowohl Denkmal als auch von historischer Bedeutung). Neben einer Datenbank aller Hamburger Stolpersteine gibt es auch entsprechende Infos bei OpenStreetMap: http://wiki.openstreetmap.org/wiki/StolpersteineEbenfalls gute Informationen finden sich in der Wikipedia, bzw. WIkicommons. Als Beispiel interessante Orte in Hamburg-St. Pauli. Teilweise kann man auch auf andere Datenbanken über denkmalgeschützte Gebäude, Fotos oder andere Informationsquellen zurückgreifen, um sich Inspirationen dazu zu suchen, was ein gutes Portal sein könnte.

Das Foto

Zunächst, auch wenn es hoffentlich eine Selbstverständlichkeit ist: Fotos einzureichen, die Ihr nicht selbst erstellt habt, ist ein No-Go! Ihr besitzt nur bei selbst erstellten Fotos die entsprechenden Urheberrechte, um das Foto zur Verwertung in Ingress freizugeben.

Entsprechendes tut Ihr auch mit der Einreichung, aktuell werden jedoch die eingereichten Fotos nicht mit einem Hinweis auf den Urheber in der Anwendung platziert. Ruhm und Ehre gibt es also aktuell nicht.

Achtet beim Erstellen des Fotos darauf, dass Eure Kamera Geotags speichert oder bereitet Euch auf ein bisschen mehr Nacharbeit vor, wenn Ihr diese Geotags manuell setzen müsst. Die Fotoqualität einer durchschnittlichen Smartphone-Kamera reicht locker aus, um einreichbare Fotos zu machen: Ihr müsst also nicht Eure teure digitale Spiegelreflex samt Stativ mitschleppen (auch wenn sie zweifelsohne die schöneren Fotos machen wird).

Ihr könnt natürlich auch bereits erstellte Fotos nutzen; prüft hier jedoch auch nochmal genau die Geotags.

Das Foto, dass man als Portal macht und einreicht, muss nicht besonders gut sein. Es muss lediglich überzeugend sein. Ein Ort kann tagsüber ein besseres Foto als am Abend abgeben, es kann aber auch genau umgekehrt sein. Wenn Ihr also ein gutes Portal seht, aber es nicht “bäm” bei Euch macht, dann kommt vielleicht zu einer anderen Tageszeit zurück.

Überzeugend ist bei Google besonders bei Architekturfotos oder anderen ästhetischen Entscheidungen wichtig. Wenn Ihr harte Fakten habt, müssen die Fotos nicht ganz so gut sein. Als Beispiel hier mein Portalvorschlag für die Tanzenden Türme

tanzende_tuerme_abgelehnt

sowie das Foto, dass als Portal akzeptiert wurde

tanzende_tuerme_ok

Hingegen war die Bildqualität beim Portal Millerntorwache nicht relevant

millerntorwache

Hier zeigt das Foto nicht einmal die Millerntorwache an sich, sondern lediglich die Gedenkplakette. Das Portal wurde dennoch in Rekordzeit akzeptiert.

Dies deckt sich mit einer Aussage eines Google Mitarbeiters, der im Rahmen einer Diskussion über akzeptierte und abgelehnte Fotos aus Parks darauf hinwies, dass Schilder oder andere harte Fakten im Foto die Akzeptanz als Portal deutlich steigern würden. Das Foto eines Parkeingangs ist also dann ein guter Kandidat, wenn es den Parknamen zusätzlich zeigt.

Ein Beispiel ist hier ein Monument aus Altona, dass ich als Portalvorschlag eingereicht habe. Leider weiß ich noch nicht, ob es akzeptiert wurde:

IMG_20130223_151525 (1)

Die Gedenktafel unten sollte aber helfen.

Ich mache in der Regel auch bei Objekten, bei denen es nicht notwendig ist (Statuen, Wandbilder) sofern möglich zwei Fotos – eins vom Objekt, eins von einem Schild; dieses zweite Foto reiche ich dann in der Regel nicht ein, aber dadurch kann ich mir den Namen der Skulptur, den Künster oder weitere hilfreiche Zusatzinformationen merken.

Meine Freundin hatte angeregt, Fotokollagen als Portale einzureichen, die sowohl das Schild in Nahaufnahme als auch das Objekt an sich zeigen. Ob das eine gute Idee ist, kann ich auf Basis von fehlenden Experimenten mit entsprechend eingereichten Fotos jedoch noch nicht sagen. Wer sich hier berufen fühlt, das auszuprobieren und die Ergebnisse schicken mag, feel free!

Teilweise ist es auch notwendig, sich für ein gutes Foto ein wenig vom Objekt zu entfernen: Häuser fotografiert man am Besten von der anderen Straßenseite, Kirchen und Museen aus einigem Abstand heraus. Das ist okay, macht Euch jedoch auf ein bisschen Geo-Nacharbeit gefasst.

Nacharbeit / Nachrecherche

Nachdem nun das Portalfoto erstellt wurde, geht es an die Nacharbeit, um Schrottportale wie oben beschrieben zu vermeiden.

  1. Sucht einen passenden Namen für das Portal aus. Namen wie “Hamburg 12″, “Foto 30.02.2013″ oder “Ding im Park” sind nicht so sexy. Google Maps, OpenStreetMaps und Wikipedia helfen hier, den richtigen Namen zu finden. Oftmals sind auch entsprechende Hinweistafeln auf den Objekten selbst angebracht. Ihr habt ja hoffentlich auf mich gehört und ein Foto davon gemacht, oder?
  2. Prüft die Geokoordinaten des Fotos. Das geht wunderbar im Webalbum von Google Plus, Picasaweb, auf dem Telefon an sich oder über eine spezielle Anwendung.Ich mache das (falls ich den inneren Schweinehund überwinden kann) per Google Plus Fotoalben. Ich habe dazu ein extra Album angelegt, in dass ich all meine Bilder hochlade. In der Bildeinzelansicht kann man dann “Photo Details” aufklappen. Hier sieht man bereits eine Mini-Kartenvoransicht.plus_geoinfosBeim Klick auf diese Ansicht öffnet sich dann ein Google Maps Fenster, in dem man die Lage des Portals noch einmal genauer verproben kann.
    googlemaps_link_from_plus
    Geht davon aus, dass Ihr gerade bei Fotos von der gegenüberliegenden Straßenseite nachher nochmal an die Tags ran müsst.Details und Werkzeuge dazu finden sich unten bei den Ingress Fans aufgelistet. Sie empfehlen für das sporadische Bearbeiten von Bildern GeoImgr, einen Onlineservice und für häufigere Veränderungen Geosetter. Ich selbst nutze recht gern Geotag. Hier ist die Installation  jedoch ein bisschen frickeliger, da man vorher ExifTools auf dem Rechner installieren und den Pfad in Geotag angeben muss.

    Zuletzt: notiert Euch die Geokoordinaten in der Google Maps Schreibweise. Ihr braucht sie später.

  3. Stellt sicher, dass Ihr keine doppelten Portale einreicht. Prüft zunächst auf der Ingress Map erneut, vielleicht habt Ihr beim spontanen Schnappschuss ja ein Portal ein paar Meter weiter übersehen. Außerdem pflegen einige lokale Ingress Gruppen – so die Resistance Hamburg bspw. – Dokumente, in denen eingereichte Portalvorschläge gesammelt werden, um doppelte Arbeit zu vermeiden. Hier solltet Ihr dann auch Eure eingereichten Portale bei Vorhandensein kurz dokumentieren.

Portal einreichen

Nachdem man nun ein gutes und passendes Bild gemacht hat, dass halbwegs hübsch ist, geprüft hat, wie das Portal heißen soll, dass es nicht bereits existiert und auch nicht in der Liste der Portalvorschläge gelistet ist, geht es an den technischen Prozess des Einreichens. Das ist bei den Ingress Fans sehr gut erklärt.

Der Vorteil bei Einreichung über das Android Telefon und die App ist, dass die Fotos automatisch auf das Vorhandensein von Geotags geprüft werden. Fotos ohne Geotag akzeptiert die Anwendung erst gar nicht.

Inzwischen reiche ich meine Fotos jedoch in der Regel per E-Mail an [email protected] ein. Hierbei ist folgende Syntax zu beachten:
Der Betreff besteht aus dem geplanten Portalnamen und optional in Klammern dahinter die Geokoordinaten. Diese Geokoordinaten zeigen dem Reviewer, dass man nicht irgendwelche Zufallskoordinaten schickt, sondern diese bereits selbst verprobt hat. Vgl. dazu auch https://groups.google.com/d/msg/ingress-discuss/F1YF7F1WDCk/FB8mmC6mEswJ

Beispiel:
Hans Hummel Bleichenhof (53,5516052, 9,9883586)

Dann hängt Ihr noch das Bild als Anhang an die E-Mail.

Ihr könnt laut Google auch Dinge in den Body der E-Mail schreiben, diese Möglichkeit habe ich jedoch noch nie genutzt. Es bietet sich jedoch an, hier Links zu Datenbanken, Wikipedia o.ä. zu senden oder eine kurze Beschreibung des Portals bzw. des Grunds, warum das ein gutes Portal sein könnte, zu übermitteln.

Geduld haben

Nachdem nun die Arbeit erledigt ist, benötigt Ihr ein bisschen Geduld. Aktuell dauert die Antwort darüber, ob ein Portal akzeptiert wird oder nicht zumindest bei mir deutlich länger als die von Google veröffentlichten 2-3 Wochen.

Irgendwann jedoch werdet Ihr eine Mail von [email protected] erhalten, in der hoffentlich die Worte “Success! Your Portal submission has been accepted and will be available for gameplay in the near future” und nicht “Thank you for your Portal submission; unfortunately, it does not meet the criteria required for approval.” zu finden sind.

Anschließend dauert es dann noch bis zum nächsten Portal Go-Live, bis die Portale zu finden sind. Aktuell geschieht dies gefühlt im Wochentakt, Google spricht von weiteren 2-3 Wochen.

Ich hoffe, diese kurze Anleitung konnte Euch ein bisschen helfen und Euch motivieren, auf Fotosafari zu gehen. Über Feedback, Ergänzungen und Erfahrungsberichte freue ich mich sehr.

Ingress – oder wie Google dafür sorgte, dass ich im Schnitt 10.000 Schritte pro Tag laufe

Ich war nie ein großer Freund von Computerspielen, aber ab und an erwischt es mich doch. Vor ein paar Jahren habe ich mich für ein paar Monate von World of Warcraft habe begeistern lassen und so den ersten Kontakt zu einem Massive Multiplayer Online Role Playing Game (englisch für: Nerds mit Intercoms sitzen vor dem Rechner und tun so als hätten sie soziale Fähigkeiten, während sie Cola und Pizza in sich hineinstopfen).

Diese Spiele machen Spaß, da es Aufgaben zu lösen gilt und das Spiel kooperativ ist – man muß beispielsweise in höheren Leveln mit anderen Spielern losziehen, um den Ober-Ork zu besiegen und die virtuelle Welt dadurch retten. Der große Nachteil ist jedoch neben der Tatsache, dass man dieses Spiel auch nur zu Hause allein vor dem eigenen Rechner spielt, dass man mit zunehmender Spieldauer zunehmend faul und lethargisch wird – man muss ja zu Hause bleiben, um spielen zu können.

Dieses Konzept hat Google jetzt umgedreht und ein Handyspiel der besonderen Art herausgebracht: Ingress.

Es gibt dazu auch eine verschwörungstheoretische Hintergrundhandlung:

sowie mehr Informationen und eine täglich aktualisierte Storyline auf http://www.nianticproject.com/

Wirklich wichtig ist jedoch, dass es sich bei Ingress um ein Augmented Reality Game (eine Weiterentwicklung der Alternate Reality Games – vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Alternate_reality_game) handelt, also ein Spiel, dass in der echten Welt und an echten Orten in Echtzeit von einer Vielzahl von Spielern gespielt wird.

Oder einfach ausgedrückt: Leute wie ich laufen draußen in der Stadt rum, gehen zu vorher von Google bestimmten Orten und drücken dort angekommen wild auf unseren Mobiltelefonen herum, um anschließend zum nächsten Ort zu gehen und weiter auf dem Telefon herumzudrücken.

Die aktuelle Spielergruppe ist durch die Mobiltelefon-Plattform (Android ab Version 2.3, läuft nicht auf iPhone) und die Art, wie man an das Spiel kommt (man benötigt einen Einladungscode, den man auf ingress.com beantragen oder von einem Google-nahen Geek bekommen kann) auf einen relativ homogenen Kreis von generell IT interessierten Menschen beschränkt, und genau dieser Kreis hat eine Steigerung der täglichen Bewegung in der Regel stärker nötig als das rennradfahrende, schwäbische Hipstermädchen aus der Marketingabteilung.

Und genau das ist, was ich großartig an diesem Spiel finde: das Spiel nutzt den menschlichen Spieltrieb nicht, um den Konsum von Cola und Pizza zu steigern, sondern um Nerds auf die Straße zu bringen und rumlaufen zu lassen. Ich selbst laufe auch mal eben 200m weiter als geplant, weil da noch n Portal ist, bei dem ich eben ein paar Punkte oder Items abgreifen kann.

Glücklicherweise – danke dafür an unsere Freunde aus dem freiheit.com Dunstkreis – hat Inka auch ne Einladung bekommen und wir können jetzt auch stundenlang gemeinsam durch Hamburg laufen und spielen; und das finde ich großartig!

An einem guten Tag kommen wir auf um die 15.000 Schritte, es gab auch schon Tage, an denen wir gemeinsam mehr als 11km zu Fuß kreuz und quer durch Hamburg gelaufen sind.

Wundert Euch also nicht, wenn Ihr mich demnächst mit einem Mobiltelefon in der Hand am Michel seht, ich unvermittelt stehenbleibe und nach kurzer Zeit nur ein paar Meter weitergehe. Das ist alles Teil des Spiels.

Und aus gegebenem Anlaß und um Kommentaren in dieser Richtung vorzubeugen: Ich verfüge aktuell leider über keine Invites.

Hello Fresh – Test der Kochbox

Wie Einige von Euch ja bereits auf Knitterfees Blog gesehen haben, testen wir gerade bei uns zu Hause unterschiedliche Kochboxen. Das Konzept dahinter ist so einfach wie genial: Es wird eine Art Bausatz für zwei bis fünf Mahlzeiten wird wöchentlich nach Hause geliefert. Die Boxen beinhalten dann neben den Rezepten, die idiotensicher sein sollten, auch alle benötigten Zutaten. Dazu sollten sie zwei Erwachsene satt machen und einige Herstelller – darunter Hello Fresh – werben damit, überwiegend Bioprodukte zu verarbeiten. Alles in allem also viele erstrebenswerte Dinge, vor allem, da ich 39 EUR für drei Mahlzeiten oder 49 EUR für vier Mahlzeiten nicht überteuert finde.

Wir haben letzte Woche Kochzauber getestet, da lief alles glatt, aber wir waren irgendwie nicht so ganz überzeugt; warum, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr sagen. Die Rezepte stimmten, alle Zutaten wurden mitgeliefert, wir sind satt geworden und es gab interessante Gerichte. Und das Beste daran: die Rezepte waren so gut, dass ich keins davon versaubeutelt hab.

Diese Woche ist Hello Fresh dran. Wir testen zwar noch, aber ich bereue es nicht, bereits nach dem ersten Rezept die Box wieder abbestellt zu haben. Ich versuche, die Gründe, die sich teilweise auch erst nach und nach im Laufe der Woche ergeben haben, zusammenzufassen:

  • HelloFresh macht nicht satt

    Leider wurden wir gerade bei den Gerichten mit Fleischanteil nicht satt. 200g Putenbrust für zwei Personen ist einfach sehr, sehr wenig – und auch wenn HelloFresh es behauptet, satt kann man davon einfach nicht werden. Bei Biofleisch hätte ich die geringere Menge akzeptiert, auch sofern eine Kompensation durch mehr Gemüse gegeben wäre, aber auch das gibt’s hier nicht. Für mich scheint das eine recht einfache Maßnahme zur Gewinnmaximierung zu sein; bei Gerichten mit nicht so teuren Zutaten – der Kürbissuppe – reichen die Portionen nämlich locker zum satt werden aus.

  • HelloFresh ist nicht zu 80% Bio

    Ich kann nicht glauben, dass HelloFresh zu 80% Bio Zutaten verarbeitet. Gut, es waren in unserer Lieferung  zwar viele der abgepackten Produkte Bio, das Fleisch war jedoch nicht bio und auch das Gemüse und die Gewürze hatten keine Bio-Kennzeichnung, genauso wie die Nudeln und der Reis. Da HelloFresh jedoch leider keine Auflistung darüber bereitstellt, welche Zutaten wie zertifiziert sind, muss ich damit davon ausgehen, dass der überwiegende Teil der Produkte nicht bio ist. Und das ist mir gerade bei Gemüse und Fleisch wichtig; ob der Apfelsaft nun demeter ist oder nicht, das ist für mich nicht so relevant.

  • HelloFresh prüft die Rezepte nicht

    In unserer Box gab es bislang in jedem Rezept einen Fehler oder eine Unverständlichkeit. So fehlten in den Rezepten teilweise Zutaten (Orangensaft und Paprikapulver – wann gibt man diese zu?), die in den Zutatenlisten zu den einzelnen Gerichten aufgelistet waren, es wird verlangt aus 200g Hack + Ei + Semmelbröseln und einer halben Zwiebel 15 Hackbällchen zu formen (das Rezept ist gleich geschrieben für 2, 4 und 6 Personen), teilweise stimmen Namen auf den Zutaten und in den Rezepten nicht überein (geriebene Chillies vs. Cayennepfeffer) oder werden Zutaten mitgeliefert, die weder in der Zutatenliste noch im Rezept erwähnt sind (Kürbiskerne wurden mitgeliefert, obwohl eigentlich vorgesehen war, die Kerne des Kürbis selbst zu rösten).
    Für mich wirkt das so, als würden die Rezepte nicht ausprobiert, bevor die Box verschickt wird. Anders kann ich mir diese Häufigkeit an Fehlern nicht erklären.

  • HelloFresh liefert fehlerhaft

    In unserer Box wurde die dreifache Menge Cayennepfeffer (3g statt 1g) geliefert; wenn ich das nicht vorher gemerkt hätte, hätte das ein ganzes Gericht ordentlich verhauen können. Außerdem fehlen die Semmelbrösel, die in der Zutatenliste aufgeführt, aber nicht mitgeliefert wurden.

  • HelloFresh macht unrealistische Annahmen an Küchenausstattung

    In einem der aktuellen Rezepte (Kürbissuppe) wird nebenbei gefordert, die Suppe mit einem Stabmixer zu pürieren. Wir hatten Glück und einen ebensolchen Stabmixer durch Zufall im Haus; zur normalen Küchenausstattung gehört sowas aber nicht. Ebenfalls nicht gut: HelloFresh hat keine Übersicht am Anfang eines Rezepts oder für die gesamte Woche, welche Küchenutensilien verwendet werden. Vielleicht kann man ja einen Stabmixer kaufen oder ausborgen, wenn man vorher weiß, dass er benötigt wird. Wenn er jedoch in der Mitte des Rezepts in einem Nebensatz auftaucht, ist das mehr als unglücklich.

  • HelloFresh ist langweilig

    Die Gerichte, die HelloFresh auf den Tisch bringt, sind allesamt so oder sehr ähnlich bei uns zu Hause schon einmal gekocht worden: Hackbällchen aus dem Ofen in Tomatensauce auf Reis, Geflügelbrust in Sahnesauce auf Penne, Kürbissuppe. Ich habe mir hier mehr Abwechslung oder gewagtere Gerichte erhofft, Zutaten, die man sonst nicht verarbeitet. Massenkompatiblität geht hier offenbar vor.

  • HelloFresh ist intransparent

    HelloFresh ist eine Rocket Internet Tochter. Das steht aber nicht im Impressum, sondern lediglich in den Stellenanzeigen. Es gibt – im Gegensatz zu z.B. der UK Webseite des Franchise – keine Fotos des Teams, nur hier und da werden sporadisch Namen genannt. Zutaten und Mengen kann man vorab nicht sehen, Lieferanten werden nicht genannt. Im Gegensatz dazu, auch auf der UK Website, sieht man genau die gelieferten Mengen für die Rezepte dokumentiert: http://checkthis.com/qq9h und bekommt ebenfalls die Lieferanten namentlich genannt: http://www.hellofresh.co.uk/aboutus_ingredients/. All das gibt es auf der deutschen Website nicht, stattdessen Allgemeinplätze über gesundes Essen und 100 andere Gründe, warum die Idee, die 5 andere Anbieter in Deutschland ebenfalls am Markt haben, im Prinzip eine gute ist. Keine Differentiatoren (wir sind besser, schöner, schneller, toller, netter weil…), keine Unternehmensgeschichte.

  • HelloFresh baut auf Praktikanten

    Wenn wir uns das aktuelle Jobs-Seite von HelloFresh anschauen, fällt auf, dass 50% der zu besetzenden Stellen Praktikatenjobs sind. http://www.hellofresh.de/jobs/
    Für mich sieht es so aus, als hätte Rocket Internet die Idee oder Brand HelloFresh lizenisert und versucht jetzt das Ganze gewinnmaximiert und ohne Herzblut in den deutschen Markt zu bringen. Hier gibt es keine “Nasen”, die das Produkt entwickelt haben, keine Gründer, die eine Geschichte zu erzählen haben; stattdessen potentiell schlecht bezahlte Praktikanten ohne Erfahrung und ohne persönlichen Bezug zum Produkt. Es ist nunmal ein Unterschied, ob man selbst Gründer eines Startup ist oder nur ein Praktikum bei irgendeiner Web 2.0 Bude macht – und das hat potentiell auch Auswirkungen auf die Arbeit, die abgeliefert wird. Das würde zum Beispiel die fehlerhaften Rezepte, die fehlerhaft gepackte Box, aber auch so Dinge wie den grammatikalisch, orthographisch und stilistisch nicht mal mehr grenzwertig  geschriebenen Affiliate-Partner-Guide erklären. You get what you pay for.

Fazit für mich: Ich bin froh, wenn nächste Woche wieder ein anderer Anbieter auf den Tisch kommt und werde mir 3x überlegen, ob ich bei HelloFresh in der Zukunft Geschäft generieren werde. Es gibt einfach bessere Alternativen zu deren Produkt am Markt. Desweiteren vermute ich, dass die HelloFresh Erfahrung auch Auswirkungen auf mein Konsumverhalten bei anderen Rocket Internet Unternehmen haben wird.

Man wird ja nicht jünger – oder: Fitness im Alter

HFCS, FitBit, WiThings, Fitocracy, WearLink+, Hooverball, Bikram Yoga.

Basis, QuantifiedSelf, FDDB, 25(OH)Vitamin D3-Spiegel.

Ihr kommt nicht mehr mit?

Nun, ich habe das Gefühl, gerade auf dem Weg zu einem neuen Nerd zu werden: dem Gesundheitsnerd. Das Thema gesundes Essen, Abnehmen, gesunder leben, darauf achten, dass man sich bewußter ernährt, nicht alles blind in sich hineinstopft, was gerade so in bequemer Reichweite ist, das ist gerade, was mich recht viel und oft beschäftigt.

Ich weiß nicht genau, ob es an dem Einfluss der Firma liegt, in der man sich bei Firmenausflügen morgens zur Laufrunde trifft und in der Sport geachtet und thematisiert wird, ob es an dem Alter liegt, dass man fürchtet und spürt, wie die Warnschüsse näher kommen.

Oder daran, dass man es sich einfacher leisten kann, den Unterschied zwischen einem handgemachten Burger oder dem vom Fast Food Laden mal zu erschmecken. Daran, dass man gut genug Englisch spricht, um Reportagen über die Probleme der US Nahrungsmittelindustrie zu verstehen oder an den kritischeren Medienangeboten, die bspw. ZDFneo und das Internet so veröffentlichen.

Fest steht nur, dass ich mich ärgere, dass dieses Thema nicht vor fünf Jahren wichtiger in meinem Leben war.

Nach der Bruchpause gehts dann weiter, es juckt mir schon in den Füßen!